Erinnerungen der Atombomben-Überlebenden - Teil 2 Kapitel 5

Die Tage danach


Ich konnte mich weder mit meinen Eltern noch mit meinen jüngeren Brüdern in Verbindung setzen. Der Gedanke, dass sie mich vielleicht schon für tot erklärt haben konnten, machte mich sehr traurig. Ich war ganz allein inmitten der Sterbenden und Leichen.

Alle Menschen um mich herum fristeten die Tage mit ihren Verwundungen, zwischen Leben und Tod schwebend. Es schien mir, dass sie nicht in ihren seelischen oder körperlichen Schmerzen, sondern vielmehr in völliger Abwesenheit des Geistes, unfähig, an irgendetwas zu denken, die Zeit an sich vorbeiziehen ließen.

Die Verstorbenen wurden auf den Korridoren und dem Schulhof einfach wie ein verkohlter Klotz liegen gelassen. Überall lagen die Leichen herum, und man musste über sie hinwegsteigen, um sich einen Weg bahnen zu können.
Auf die Leichen warf man nur einen kurzen Blick. Wahrscheinlich hatte man keine Gefühle oder Nerven mehr, um etwas dabei zu empfinden. Jeder lebte nunmehr, wie mir schien, allein von seinem Instinkt geleitet.

Die Luft war erfüllt vom Geruch von verbranntem Fleisch, Leichengeruch und von einem unbeschreiblichen Gestank einer Mischung aus Schweiß, Urin, Kot und tierischen Geschrei und Stöhnen. Die offenen Brandwunden wurden sogleich von Maden befallen. Je mehr man sie entfernte, desto schneller wuchsen sie. Endlos quollen die Maden von Neuem heraus und fielen dann auf den Fußboden hinunter. Ich fühlte mich so elend.